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GUI3 Benutzerhandbuch (Deutsch)

Dieses Handbuch beschreibt den praktischen Workflow mit der GUI3-Weboberfläche: von der Installation über den Scan der Eingabedaten, die Parametereinstellung bis zum Start und Monitoring eines Runs.

Übersicht

GUI3 besteht aus drei Hauptbereichen:

Tab Sub-Tabs Zweck
Processing Input & Scan, Parameter, Run Monitor Hauptworkflow: Eingabe scannen, Parameter einstellen, Run starten und überwachen
Tools Raw Stack, Astrometry, PCC, Live Image Editor Eigenständige Werkzeuge für Vorverarbeitung, Plate Solving, Farbkalibrierung und nicht-destruktive FITS-Bearbeitung
History Run History Abgeschlossene Runs durchsuchen, vergleichen und Reports generieren

1. Installation und Start

Release-Bundle

  1. Release-ZIP von GitHub Releases herunterladen.
  2. Entpacken und den Starter ausführen:
  3. Linux: ./start_gui3.sh
  4. macOS: Doppelklick auf start_gui3.command (oder ./start_gui3.command im Terminal)
  5. Windows: Doppelklick auf start_gui3.bat
  6. Beim ersten Start werden alle Anwendungsdateien nach ~/tilecompile/ (bzw. %USERPROFILE%\tilecompile\) kopiert.
  7. Der Browser öffnet sich automatisch auf http://127.0.0.1:8080/ui/.

macOS-Hinweis: Falls Gatekeeper den Starter blockiert: Systemeinstellungen → Datenschutz & Sicherheit öffnen und den blockierten Eintrag explizit erlauben.

Nach der Installation: Das heruntergeladene Archiv und der entpackte Ordner können gelöscht werden. Alle Dateien wurden in das Benutzerverzeichnis kopiert. Bei Updates werden nur Anwendungsdateien ersetzt — Benutzerdaten (Runs, Kataloge) bleiben erhalten.


2. Eingabe scannen (Input & Scan)

Der erste Schritt ist das Scannen der FITS-Eingabedaten.

Schritte

  1. Tab Processing → Sub-Tab Input & Scan auswählen.
  2. Eingabeordner wählen: Pfad zum Verzeichnis mit den FITS-Light-Frames angeben (z.B. /data/M31/lights).
  3. Dateimuster einstellen: Standard ist *.fits. Alternativ *.fit oder light_*.fits.
  4. Ausgabeordner (Runs-Dir) wählen: Zielverzeichnis für Run-Outputs. Standardmäßig wird ein Verzeichnis unter ~/tilecompile/runs/ vorgeschlagen.
  5. Run Name vergeben: Optionaler Name für den Run-Ordner (z.B. M31_altaz_test).
  6. Parameter einstellen:
  7. Frames Minimum: Mindestanzahl Frames, sonst Abbruch (Standard: 50).
  8. Max. Frames: 0 = alle Frames verwenden.
  9. Sortierung: numeric, alphabetic oder timestamp.
  10. Farbmodus: OSC (One-Shot-Color / Bayer) oder MONO.
  11. Checksummen berechnen: Optional, für Integritätsprüfung.
  12. Kalibrierung (optional): Bias-, Dark- und Flat-Ordner angeben und die jeweiligen Checkboxen aktivieren.
  13. Scan starten klicken.

Scan-Ergebnis

Nach Abschluss zeigt die Scan-Result-Karte: - Anzahl gefundener Frames - Auflösung und Farbmodus der Frames - Frames-Größen und Checksummen (falls aktiviert)

Run-Queue (für MONO)

MONO-Nutzer können mehrere Eingabeordner (L/R/G/B) über die Run-Queue hinzufügen. Jede Queue-Eingabe wird als separater Kanal verarbeitet.


3. Parameter einstellen (Parameter Studio)

Hinweis: Für die ersten Schritte und zum Kennenlernen der Umgebung können die Default-Einstellungen übernommen werden. Dieser Schritt kann übersprungen werden.

Nach dem Scan wechseln Sie zum Sub-Tab Parameter.

Konfiguration laden

  • Beispielkonfiguration laden: Über den Konfigurations-Selector eine der mitgelieferten Beispiel-YAMLs wählen (z.B. M42.global_medium.yaml).
  • Leere Konfiguration: Mit Default-Werten starten.
  • Bestehende Konfiguration hochladen: Eine eigene YAML-Datei hochladen.

Parameter-Kategorien

Das Parameter Studio ist in Kategorien gegliedert:

Kategorie Wichtige Parameter
Pipeline pipeline.mode (production/preview), method (aqmh/classic_tile_compile)
Registrierung registration.allow_rotation, registration.transform_model (similarity/affine), registration.engine
AQMH aqmh.enabled, aqmh.pyramid.scales, aqmh.cherry_pick.enabled, aqmh.storage.max_resident_maps
Rekonstruktion Tile-Geometrie, Rekonstruktionsmodus
Stacking stacking.method (sigma_clip/median/average), Sigma-Clip-Parameter
Debayer data.bayer_pattern (RGGB/BGGR/GBRG/GRBG)
Astrometry astrometry.astap_bin, astrometry.astap_data_dir
BGE bge.method, bge.enabled (Legacy), bge.fit.method, bge.autobge, bge.autotune
PCC pcc.source (auto/siril/vizier_gaia/vizier_apass), pcc.mag_limit, pcc.siril_catalog_dir
HyperMetric Stretch hypermetric_stretch.enabled, Farbstrategie, Konvergenz
Kalibrierung Bias/Dark/Flat-Pfade
Assumptions frames_min, frames_reduced_threshold
Runtime Limits hard_abort_hours, acceleration_backend

Workflow

  1. Parameter-Kategorie aufklappen und Werte anpassen.
  2. Validate klicken, um die Konfiguration gegen das Schema zu prüfen.
  3. Bei Validierungsfehlern: Fehlermeldungen beachten und korrigieren.
  4. Save klicken, um die Konfiguration zu speichern.

Tipp: Für erste Versuche ist die Default-Konfiguration mit method: aqmh bereits gut brauchbar. Die wichtigsten Anpassungen sind registration.allow_rotation (bei Alt/Az-Montierung auf true belassen) und data.bayer_pattern (mit den FITS-Headern abgleichen).

Explain-Panel

Klick auf einen Parameternamen zeigt im Explain-Panel rechts neben dem Grid eine detaillierte Erklärung: Zweck, zulässiger Bereich, Default-Wert und Zusammenhänge mit anderen Parametern.

Presets

Über den Preset-Selector in der Editor-Symbolleiste können mitgelieferte Beispielkonfigurationen geladen werden. Reload aktualisiert die Preset-Liste, Apply lädt das ausgewählte Preset in den aktuellen Draft.

AI Empfehlung (KI-Empfehlungen)

Die Parameter-Seite hat einen zweiten Tab: AI Empfehlung. Dieser bietet KI-gestützte Konfigurationsempfehlungen basierend auf Scan-Daten, Equipment-Info und Aufnahmebedingungen.

  1. Auf den Tab AI Empfehlung wechseln.
  2. Das Formular ausfüllen: Objektname, Kameratyp, Montierung, Teleskop, Bedingungen und Ziele.
  3. Unter Tools → KI & API Provider und Modell wählen. PI unterstützt viele Anbieter (Anthropic, OpenAI, Google, DeepSeek, Groq, Mistral, xAI, OpenRouter und weitere). Den API-Key für den gewählten Provider eintragen und Key speichern klicken; anschließend mit Status abrufen prüfen. Ein Key ist erforderlich, bevor eine Analyse gestartet werden kann.
  4. Zurück zu AI Empfehlung wechseln und KI-Analyse erstellen klicken. Die Anfrage läuft im Hintergrund — Tab-Wechsel ist möglich.
  5. Empfehlungen prüfen: Jeder Vorschlag zeigt Parameter-Pfad, neuen Wert und eine Begründung.
  6. Einzelne Empfehlungen per Checkbox auswählen oder Alle anwenden für alle verwenden.
  7. PI Preview validiert die geplanten Änderungen als YAML-Diff ohne Speichern.
  8. PI anwenden speichert die letzte gültige PI-Preview als neue Config-Revision.

Der AI-Sidecar (tile_compile_pi_agent) muss laufen, damit die Analyse funktioniert. Der Key liegt im lokalen PI-AuthStorage, nicht in Pipeline-Configs, Run-Daten oder Logs. Alternativ kann er als Provider-Variable in einer lokalen .env stehen; die vollständige aktuelle Liste aller unterstützten Key-/Credential-Variablen steht in der .env.example. Ein 401 invalid x-api-key bedeutet, dass der Provider den Key ablehnt.

Situation-Assistent

Unter dem Parameter-Grid bietet das Panel Situation-Assistent szenariobasierte Schnellanpassungen:

  1. Ein oder mehrere Aufnahme-Szenarien auswählen (z.B. "Alt/Az-Montierung", "Lichtverschmutzung", "Kurzbelichtung").
  2. Der Assistent berechnet Parameter-Deltas für jedes gewählte Szenario.
  3. Apply übernimmt die Deltas in den aktuellen Draft.
  4. Die Änderungen erscheinen sofort im Parameter-Grid und im YAML-Diff.

4. Run starten und überwachen (Run Monitor)

Run starten

  1. Vom Sub-Tab Parameter auf Run Monitor wechseln, oder direkt vom Input & Scan-Tab auf Next ▶ klicken.
  2. Im Run Monitor auf Run starten klicken.
  3. Der Runner wird als Hintergrundprozess gestartet. Der Run Monitor zeigt den Fortschritt in Echtzeit.

Run Monitor

Der Run Monitor zeigt:

  • Aktuelle Phase: Welche Pipeline-Phase gerade läuft (SCAN_INPUT → REGISTRATION → ... → PCC → DONE)
  • Phasen-Fortschritt: Status jeder Phase (pending, running, ok, skipped, error)
  • Warnungen und Fehler: Prominent angezeigt im Warnungs-Banner
  • Run-Statistiken: Verarbeitete Frames, verbleibende Zeit (falls verfügbar)
  • Bildvorschau: Zeigt das aktuellste Ausgabebild (Stack, BGE, PCC oder HMS) während und nach dem Run

Unter der Phasenliste bieten drei Tabs weitere Werkzeuge:

Resume-Tab

Der Resume-Tab enthält die phasenbasierte Resume-Funktion (siehe Resume unten).

Run-Chat-Tab

Der Run-Chat-Tab bietet eine KI-gestützte Diagnose des aktuellen Runs:

  1. Frage eingeben oder Problem beschreiben (z.B. "Sterne sind elongiert" oder "Hintergrund uneben").
  2. Die KI analysiert Run-Artefakte, Event-Logs und Phasenergebnisse.
  3. Die Antwort enthält Bildbeobachtungen, wahrscheinliche Ursachen, Prüfungen und Empfehlungen.
  4. Wenn die KI Config-Änderungen vorschlägt, kann eine PI Preview generiert und direkt in die Resume-YAML übernommen werden.
  5. Eine Resume-Empfehlung kann vorschlagen, ab einer bestimmten Phase fortzusetzen.

Run-Chat-Verläufe werden pro Run gespeichert und beim Zurückkehren zum Run Monitor wiederhergestellt.

Live-Log-Tab

Der Live-Log-Tab zeigt Echtzeit-Logausgaben des Runner-Prozesses, inklusive Phasen-Events, Warnungen und Fehlermeldungen.

Run abbrechen

  • Stop klicken, um den laufenden Run abzubrechen.

Resume (Fortsetzen)

Nach Abschluss oder Abbruch kann ein Run ab einer gewählten Phase fortgesetzt werden. Das bestehende Run-Verzeichnis und seine Zwischenartefakte werden wiederverwendet.

  1. In der Phasenliste die Phase anklicken, ab der die Verarbeitung fortgesetzt werden soll, beispielsweise ASTROMETRY, BGE, PCC oder HYPERMETRIC_STRETCH.
  2. Der Abschnitt Resume öffnet sich und zeigt die gewählte Phase rechts als Badge an.
  3. Die YAML unter Config YAML prüfen. Mit Aktuelle Config laden kann die Run-Konfiguration wiederhergestellt werden. Alternativ kann eine gespeicherte Config-Revision gewählt und geladen werden.
  4. Im Resume-Abschnitt auf Resume klicken.
  5. GUI3 speichert die gewählte Konfiguration als Revision, startet den Runner ab der gewählten Phase und kehrt zur Live-Überwachung zurück.

Phasen vor dem gewählten Resume-Punkt werden nicht neu berechnet. Ihre vorhandenen Artefakte müssen deshalb weiterhin vorhanden und mit der gewählten Konfiguration kompatibel sein.

Häufige Resume-Punkte: ASTROMETRY führt das Plate Solving erneut aus, BGE berechnet die Hintergrundextraktion neu, PCC wiederholt die photometrische Farbkalibrierung und HYPERMETRIC_STRETCH erzeugt aus dem vorhandenen linearen PCC-Ergebnis eine neue gestreckte Ausgabe.

HyperMetric Stretch beim Resume konfigurieren

Wenn HYPERMETRIC_STRETCH als Resume-Phase gewählt ist, stellt GUI3 eine interaktive HMS-Vorschau bereit.

  1. In der Phasenliste HYPERMETRIC_STRETCH anklicken.
  2. Im Resume-Abschnitt auf HMS konfigurieren klicken. Der Button befindet sich unmittelbar links neben dem Badge HyperMetric Stretch.
  3. Auf die erste Vorschau warten. GUI3 verwendet normalerweise outputs/stacked_rgb_pcc.fits. Ist diese Datei nicht vorhanden, wird der vollständige Kanalsatz pcc_R.fit, pcc_G.fit und pcc_B.fit verwendet.
  4. Die HMS-Parameter anpassen. Nach jeder gültigen Änderung wird automatisch eine neue Proxy-Vorschau berechnet.
  5. Vorschau, Histogramm, verwendete Quelle, berechnetes log D, Anker sowie Schwarz- und Weiß-Clipping prüfen.
  6. Übernehmen & Resume starten klicken. Dadurch werden die angezeigten HMS-Werte in die Resume-YAML geschrieben und der Run unmittelbar ab HYPERMETRIC_STRETCH fortgesetzt.

Zurücksetzen stellt die Werte wieder her, die beim Öffnen des Dialogs geladen wurden. Abbrechen oder der Schließen-Button verwirft die Änderungen, ohne einen Resume zu starten.

  • Bild ziehen, um den Ausschnitt zu verschieben.
  • Mit dem Mausrad zoomen.
  • Das Bild doppelt anklicken, um es in den Vorschaubereich einzupassen.
  • Unter dem Bild wird das RGB-Histogramm logarithmisch dargestellt.

Die Vorschau verwendet einen verkleinerten Proxy mit maximal 1600 Pixeln an der langen Kante. Der abschließende Resume führt HMS auf den PCC-Daten in voller Auflösung aus.

HMS-Parameter

Wenn der Mauszeiger über einem Parameternamen oder seinem Info-Symbol steht, zeigt ein Tooltip die Wirkung und den zulässigen Bereich an.

Parameter Wirkung
Modus Anzeigefertig führt eine darstellungsorientierte Ausgabeskalierung und weiches Highlight-Clipping aus. Wissenschaftlich lässt diese abschließenden Darstellungsschritte aus.
Sensorprofil Wählt die RGB-Luminanzgewichte für Ankerberechnung, automatische log-D-Bestimmung, Star-Pressure-Schätzung und Ausgabeskalierung. Automatisch verwendet das Fallback-Profil.
Fallback-Profil Wird verwendet, wenn das primäre Profil auf Automatisch steht. Ein unbekanntes explizites Profil fällt im Core auf Rec.709 zurück.
Adaptiver Anker Bestimmt den Stretch-Anker aus dem Bildinhalt statt über den statistischen Ankerpfad.
Zielhintergrund Gewünschte Hintergrundhelligkeit nach dem Stretch. Höhere Werte erzeugen einen helleren Hintergrund.
Schutz B Formt die hyperbolische Kurve. Höhere Werte komprimieren und schützen helle Bereiche stärker.
Konvergenz-Power Steuert, wie schnell die RGB-Kanäle in helleren Bereichen konvergieren.
log-D-Modus Automatisch berechnet die Stretch-Stärke aus dem Proxy. Fest aktiviert den festen log-D-Wert.
Fester log D Manuelle logarithmische Stretch-Stärke. Höhere Werte machen schwache Strukturen stärker sichtbar.
Farbstrategie Wählt automatische oder feste Farbbehandlung.
Feste Farbstrategie Im Modus Anzeigefertig erhöhen negative Werte die Schattenkonvergenz; positive Werte verringern den Farbgriff.
Farbgriff Steuert im wissenschaftlichen Modus, wie stark die ursprünglichen Farbverhältnisse erhalten bleiben.
Schattenkonvergenz Blendet dunkle Bereiche im wissenschaftlichen Modus stärker zum kanalweisen Stretch über.
Lineare Expansion Fügt im wissenschaftlichen Modus eine lineare Expansion am unteren Ende hinzu.

Numerische Felder akzeptieren keine Werte außerhalb ihrer angezeigten Bereiche. Ein ungültiger Wert startet keine Vorschau und kann nicht übernommen werden. Verlässt der Fokus ein solches Feld, begrenzt GUI3 den Wert auf die nächstgelegene zulässige Grenze.

HMS-Werte übernehmen

Übernehmen & Resume starten ändert ausschließlich die bekannten Felder unter hypermetric_stretch in der aktuell geladenen Resume-YAML. Andere Konfigurationsabschnitte bleiben unverändert. Anschließend verwendet GUI3 den normalen Resume-Mechanismus. Dieser:

  • sichert die vorherige Run-Konfiguration,
  • erstellt eine Config-Revision,
  • startet den Runner mit --from-phase HYPERMETRIC_STRETCH und
  • zeigt den neuen Job im Run Monitor an.

Die Vorschau selbst verändert weder config.yaml noch FITS-Artefakte. Ist kein vollständiges PCC-RGB-Artefakt vorhanden, meldet die Vorschau einen Fehler und es wird kein Resume gestartet.

AutoBGE beim Resume konfigurieren

In der Phasenliste BGE wählen und links neben dem BGE-Badge auf BGE konfigurieren klicken. Der Dialog verwendet stacked_rgb_solve.fits und ersatzweise stacked_rgb.fits zusammen mit canvas_mask.fits. Ein bereits BGE-korrigiertes Bild wird niemals erneut als Eingang verwendet.

Der Dialog bietet die Ansichten Original, Korrigiert und Hintergrund. Ziehen verschiebt das Bild, das Mausrad zoomt und ein Doppelklick passt das Bild an den Vorschaubereich an. Farbige Punkte markieren die von AutoBGE verwendeten Samples.

Alle AutoBGE-Parameter besitzen Tooltips und erzwingen ihre zulässigen Wertebereiche. Dazu gehören Sample-Anzahl, Polynomgrad, RBF-Glättung, Downsample-Faktor, Patch-Größe und -Schätzer, Arbeitsraumtransformation, Helligkeitsausschluss, Zufalls-Seed und Schutzprüfungen.

So werden echte dunkle Strukturen wie Dunkelnebel von der Hintergrundabtastung ausgeschlossen:

  1. Ausschluss zeichnen anklicken.
  2. Mindestens drei Eckpunkte im Bild setzen.
  3. Das Polygon mit einem Doppelklick schließen und die Vorschau neu berechnen.
  4. Ausschlüsse löschen entfernt alle Polygone.

Ausschlüsse beeinflussen nur die Sample-Auswahl und löschen niemals Pixel der Ausgabe. Sie werden als normalisierte Koordinaten unter bge.autobge.exclusion_polygons gespeichert, sodass der Resume in voller Auflösung dieselben Bereiche verwendet.

Manuelle Sample-Points setzen

Zusätzlich zu den automatischen Sample-Points können manuelle Punkte gesetzt werden, um gezielt dunkle Hintergrundbereiche für die Modellierung zu erzwingen:

  1. Punkte hinzufügen anklicken. Der Cursor wechselt auf ein Fadenkreuz.
  2. Auf die gewünschten Stellen im Bild klicken. Jeder Klick fügt einen Punkt hinzu. Punkte werden als weiße Kreise mit rotem Rand dargestellt.
  3. Ein erneuter Klick auf Punkte hinzufügen oder ein Doppelklick beendet den Punktmodus.
  4. Punkte löschen entfernt alle manuellen Punkte.

Manuelle Punkte werden immer in den Sample-Satz aufgenommen und umgehen die zufällige Downselection. Sie werden als normalisierte Float-Koordinaten [0..1] unter bge.autobge.user_sample_points in der YAML gespeichert und sind damit auflösungsunabhängig. Beim Wiederöffnen des Dialogs oder bei einem Resume werden gespeicherte Punkte automatisch geladen.

Guard-Ablehnungsgründe

Wenn die Schutzprüfungen (Guards) die Vorschau ablehnen, zeigt die Statuszeile den konkreten Ablehnungsgrund zusammen mit einem Lösungshinweis an. Typische Gründe sind:

Grund Bedeutung Empfohlene Maßnahme
Ebenheit verschlechtert Das Hintergrundmodell ist nach der Korrektur unebener als vorher poly_degree verringern, rbf_smooth erhöhen, Ausschlusspolygone um Strukturen ziehen
Hintergrund-Chroma verschlechtert Die Farbverteilung im Hintergrund hat sich verschlechtert rbf_smooth erhöhen, poly_degree verringern, mehr manuelle Punkte auf dunklem Hintergrund setzen
Steigung verschlechtert Der Gradient im Hintergrundmodell hat sich verschlechtert Manuelle Punkte auf den dunklen Gradienten setzen, num_sample_points erhöhen, rbf_smooth verringern

Zusätzlich wird unter dem Bild angezeigt, welche Kanäle (R, G, B) jeweils abgelehnt wurden. Wenn apply_guards deaktiviert ist, kann die Vorschau trotz Ablehnung übernommen werden — dies wird jedoch nicht empfohlen.

Übernehmen & Resume starten setzt bge.method: autobge, aktualisiert die AutoBGE-Werte in der Resume-YAML und setzt den Run ab BGE fort. Zurücksetzen stellt Parameter, Polygone und manuelle Punkte vom Öffnungszeitpunkt wieder her. Preview-Berechnungen verändern weder FITS-Dateien noch config.yaml.


5. Ergebnisse ansehen

Ausgabedateien

Nach Abschluss liegen die Ergebnisse unter <runs_dir>/<run_name>/:

runs/<run_id>/
├── outputs/
│   ├── stacked.fits              # Lineares Summenbild
│   ├── reconstructed_L.fit       # MONO-Rekonstruktion
│   ├── stacked_rgb.fits          # OSC-RGB
│   ├── stacked_rgb_solve.fits    # Mit WCS gelöst
│   ├── stacked_rgb_bge.fits      # Nach BGE (vor PCC)
│   ├── stacked_rgb_pcc.fits      # Nach PCC
│   └── stacked_rgb_hms.fits      # Nach HyperMetric Stretch (optional)
├── artifacts/
│   ├── report.html               # Diagnosebericht
│   ├── report.css
│   ├── *.png                     # Diagramme/Heatmaps
│   ├── normalization.json
│   ├── global_registration.json
│   ├── bge.json
│   └── ...
├── logs/
│   └── run_events.jsonl          # Event-Timeline
└── config.yaml                   # Run-Snapshot der Konfiguration

Diagnosebericht (report.html)

Über den Run Monitor oder die Run History kann ein HTML-Diagnosebericht generiert werden:

  • Run Monitor: Button Stats erstellen klicken.
  • Run History: Run auswählen und Report generieren.
  • CLI: ./tile_compile_cli generate-report runs/<run_id>

Der Bericht enthält: - Normalisierungs-/Hintergrund-Trends - Globale Qualitätsverteilungen und Gewichte - Registrierungs-Drift/CC/Rotation - Tile- und Rekonstruktions-Heatmaps - BGE-Diagnostik - Validierungsmetriken (inkl. Tile-Pattern-Indikatoren) - Pipeline-Zeitachse und Frame-Usage-Funnel

Live Image Editor

Den Live Editor im Bereich Letztes Bild des Run Monitors öffnen oder auf die Bild-Preview klicken. Der Editor erzeugt und aktualisiert eine getrennte Arbeitsdatei live_edit.fits; das Quell-FITS bleibt unverändert.

Er bietet deterministische Bildoperationen, Live-Previews für Parameter, Anwenden/Abbrechen, Undo/Redo, Wiederholen, Vorher/Aktuell-Vergleich, PNG-/FITS-Export und optionale KI-Vorschläge. Der vollständige Ablauf, die Speicherung, unterstützte Operationen und die API-Key-Konfiguration stehen im Live-Image-Editor-Handbuch.


6. Astrometry und PCC einrichten

Astrometrie (Plate Solving) und PCC (Photometrische Farbkalibrierung) sind optionale Phasen, die externe Daten benötigen.

ASTAP (für Astrometry / WCS Plate Solving)

  1. ASTAP installieren: Binary von https://www.hnsky.org/astap.htm herunterladen.
  2. Sterndatenbank herunterladen: Mindestens D50 (für Deep-Sky) oder G18 (für Weitwinkel).
  3. In GUI3 einrichten:
  4. Tab Tools → Sub-Tab Astrometry
  5. ASTAP CLI: Pfad zum astap-Binary (z.B. /usr/local/bin/astap)
  6. Star Database Dir: Pfad zum Katalogverzeichnis (z.B. /usr/local/share/astap)
  7. Detect ASTAP klicken, um die Installation zu prüfen.
  8. Alternativ: Install CLI und Download Catalog direkt über die GUI.

Die ASTAP-Kataloge können auch direkt über die GUI3 heruntergeladen werden (Tools → Astrometry → Download Catalog).

Siril Gaia DR3 XP Katalog (für PCC)

  1. Katalogdaten: Der Siril Gaia DR3 XP sampled catalog wird für die photometrische Farbkalibrierung benötigt.
  2. In GUI3 einrichten:
  3. Tab Tools → Sub-Tab PCC
  4. Catalog Dir: Pfad zum Katalogverzeichnis (Standard: ~/.local/share/siril/siril_cat1_healpix8_xpsamp/)
  5. Download Missing klicken, um fehlende Katalog-Chunks herunterzuladen (48 Chunks, insgesamt ~2 GB).
  6. Der Download erfolgt im Hintergrund mit Fortschrittsanzeige.

Falls der Katalog bereits von Siril heruntergeladen wurde, kann derselbe Ordner wiederverwendet werden.

  1. PCC-Parameter (im Parameter Studio):
  2. pcc.source: auto (empfohlen), siril, vizier_gaia oder vizier_apass
  3. pcc.mag_limit: Grenzgröße für Sterne (Standard: 14.0)
  4. pcc.siril_catalog_dir: Pfad zum Siril-Katalog (falls abweichend)

Wenn Kataloge fehlen

Wenn ASTAP oder der Siril-Katalog nicht installiert sind: - Die Kernrekonstruktion (Registrierung, AQMH, Stacking, Debayer) funktioniert weiterhin. - Die Phasen ASTROMETRY und PCC werden als skipped markiert oder schlagen fehl, je nach Konfiguration. - BGE (Background Gradient Extraction) funktioniert unabhängig von externen Katalogen.


7. Raw Stack (eigenständige Vorverarbeitung)

Der Sub-Tab Raw Stack (unter Tools) bietet ein separates lineares Preprocessing von FITS-Lights bis zum fertigen Stack, unabhängig vom Tile-Compile-Run-Studio.

Pipeline-Schritte: 1. Input Scan 2. Calibration (Bias/Dark/Flat) 3. CFA/Mono Prep 4. Reference Selection 5. Registration 6. Quality Analysis 7. Frame Filtering 8. Stacking (Sigma-Clip/Median/Winsor) 9. Astrometry (optional) 10. BGE (optional) 11. PCC (optional) 12. HyperMetric Stretch (optional) 13. Report

Detaillierte Dokumentation: docs/raw_stack_gui_de.md


8. Run History

Unter Tab History → Sub-Tab Run History können abgeschlossene Runs durchsucht werden:

  • Liste aller Runs mit Status, Datum, Frame-Anzahl
  • Run-Details einsehen (Konfiguration, Phasen-Status, Artefakte)
  • Reports generieren
  • Runs vergleichen
  • Run-Verzeichnis im Dateimanager öffnen